Imkern mit/trotz Vespa velutina – Erkenntnisse aus dem Vortrag von Hans‑Jörg Schreyer
Am 07. März 2026 hielt Hans‑Jörg Schreyer in Wipperfürth‑Thier einen umfassenden Vortrag über die Auswirkungen der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina) auf die Imkerei. Die zunehmende Ausbreitung dieser invasiven Art stellt Imkerinnen und Imker in Nordrhein‑Westfalen vor neue Herausforderungen, weshalb fundierte Informationen und praxisnahe Empfehlungen besonders wichtig sind.
Der Vortrag war zweigeteilt: Im ersten Teil erläuterte Schreyer die Biologie, das Verhalten und den Jahresverlauf von Vespa velutina, um ein solides Verständnis der Art zu schaffen. Im zweiten Teil stellte er konkrete Maßnahmen vor, mit denen Imker ihre Bienenvölker trotz des steigenden Räuberdrucks schützen können.
Diese Zusammenfassung fasst die wichtigsten Inhalte beider Teile zusammen und bietet einen praxisorientierten Überblick für Imkerinnen und Imker in Erkrath und der Region, die sich auf die veränderten Bedingungen einstellen möchten.
Inhaltsverzeichnis
Biologie & Verhalten
Der Jahreszyklus der Asiatischen Hornisse
Eine Kolonie der Asiatischen Hornisse wächst über viele Monate hinweg und erreicht im Spätsommer ihre größte Stärke.
Frühjahr – Nestgründung
- Die Königin beginnt bereits im Februar oder März mit dem Nestbau.
- Das ist früher als bei unserer heimischen Hornisse.
Sommer – schnelles Wachstum
- Ab Juli schlüpfen die ersten Arbeiterinnen.
- Etwa 40 Tage später steigt der Jagddruck stark an.
- Ab August beginnt die Phase, in der besonders viele Honigbienen gefangen werden.
Herbst – maximale Aktivität
- Die Kolonie erreicht ihre größte Größe: bis zu 3.500 Arbeiterinnen.
- Jetzt werden große Mengen an Insekten benötigt, vor allem Bienen.
Winter – Absterben des Nestes
- Ab November bricht die Kolonie zusammen.
- Nur die jungen Königinnen überwintern und gründen im nächsten Jahr neue Nester.
Was frisst die Asiatische Hornisse?
Die Art ist sehr anpassungsfähig und jagt das, was in der Umgebung am häufigsten vorkommt.
In Städten
- Bis zu zwei Drittel der Beute sind Honigbienen.
- Städte sind Hotspots, weil dort viele Blühpflanzen und Bienenstände stehen.
In der Landwirtschaft
- Die Beute ist gemischt: Bienen, Fliegen und andere Insekten.
Im Wald
- Weniger Bienen, dafür mehr Wespen und andere Insekten.
Wichtig:
Eine einzige Kolonie kann 13–25 Kilogramm Insekten pro Jahr erbeuten – das entspricht hunderttausenden Tieren.
Warum ist Vespa velutina problematischer als unsere heimische Hornisse?
| Merkmal | Vespa Crabro | Vespa Velutina |
|---|---|---|
| Nestgröße | bis 600 Arbeiterinnen | bis 3.500 Arbeiterinne |
| Lebensdauer | ca. 6 Monate | 8–10 Monate |
| Königinnen pro Jahr | ca. 200 | 300–500 |
| Folgekolonien | bis 3 | 6–10 |
| Neststandort | meist im Wald | oft hoch in Baumkronen |
| Jagdverhalten | vielfältig | starker Fokus auf Bienen |


Maßnahmen am Bienenstand
Allgemeine Maßnahmen am Bienenstand
Damit Bienenvölker gesund und widerstandsfähig bleiben, sollten Imkerinnen und Imker ihren Stand regelmäßig kontrollieren und pflegen. Dazu gehört vor allem die Überprüfung des Fluglochs, das frei von Totenfall und Verunreinigungen gehalten werden muss. Absperrgitter oder Fluglochschieber sollten korrekt eingesetzt und regelmäßig kontrolliert werden.
- Schwache Völker werden am besten frühzeitig vereinigt, um Räuberei zu vermeiden und die Standstärke insgesamt zu stabilisieren.
- Bei starkem Beflug oder ungünstigen Trachtbedingungen kann eine bedarfsgerechte Fütterung notwendig sein, um die Grundversorgung sicherzustellen.
- Ein sauberer, ordentlicher Bienenstand reduziert das Risiko von Krankheiten und Schädlingen und trägt wesentlich zur Volksgesundheit bei.
Spezielle Maßnahmen am Bienenstand
Neben den allgemeinen Routinen gibt es eine Reihe spezieller Maßnahmen, die besonders in Zeiten starken Beflugs oder bei erhöhtem Räuberdruck – etwa durch die Asiatische Hornisse – wichtig werden.
Starke Völker erhalten
Gesunde, vitale Bienenvölker sind der beste Schutz. Dazu gehören eine gute Wabenhygiene, regelmäßige Varroakontrolle und legestarke Königinnen. Schwärme sollten vermieden werden, da sie Völker schwächen und Räuber anziehen.
- Auf vitale, legestarke Königinnen achten
- Gute Wabenhygiene einhalten
- Varroakontrolle regelmäßig durchführen
- Varroaschieber nutzen, um den Befall zu überwachen
- Hygienemaßnahmen konsequent umsetzen
- Schwärme vermeiden, da sie Völker schwächen und Räuber anziehen
Mechanische Schutzmaßnahmen
Fluglochkeile, Absperrgitter oder feinmaschige Drahtgeflechte erschweren Hornissen das Eindringen in die Beute. Auch Schutznetze mit ausreichendem Abstand zur Beute können den direkten Zugang verhindern.
- Fluglochsicherungen
- Königinnenabsperrgitter oder Drahtgeflecht (ca. 5,5 mm)
- Spezielle Fluglochkeile oder -schieber
- Regelmäßige Kontrolle und Reinigung des Fluglochs
- Schutz verhindert Eindringen von Hornissen, reduziert aber nicht den äußeren Stress
- Schutznetze (Netze erschweren Hornissen den direkten Zugang zum Flugloch.)
- Maschenweite mindestens 12 mm
- Netz vollständig über die Beute legen
- Abstand zur Beute: mindestens 30 cm
- Bienen gewöhnen sich schnell daran
Ablenkfütterungen
Bei starkem Beflug kann es helfen, Hornissen gezielt vom Stand wegzuleiten. In einiger Entfernung angebotene proteinreiche Nahrung lenkt sie ab und entlastet die Völker. Diese Methode entlastet den unmittelbaren Bienenstand.
- In 60–100 m Entfernung proteinreiche Nahrung anbieten (z. B. Fisch, Fleisch)
- Regelmäßig nachfüttern
- Futter vor anderen Tieren schützen
Maßnahmen bei starkem Beflug
Wenn der Druck sehr hoch wird, können zusätzliche Schritte notwendig sein: zeitweiser Verschluss des Fluglochs, Aufsetzen einer Leerzarge als „Trommelraum“, Gabe von Futter- oder Pollenersatzprodukten, Bereitstellung einer Wasserwabe oder – in Extremfällen – das Umstellen der Völker an einen ruhigeren Ort.
- Geeigneten Überwinterungsplatz wählen
- Flugloch zeitweise mit Schieber verschließen
- Auf gute Belüftung achten
- Bei Hitze: Völker vorübergehend in kühle, dunkle Räume stellen
Maßnahmen im Jahresverlauf
So werden Bienenvölker im Laufe des Jahres geschützt
Der Schutz von Bienenvölkern und die Eindämmung der Asiatischen Hornisse erfordern abgestimmte Maßnahmen, die sich über das ganze Jahr verteilen. Viele Schritte greifen ineinander und werden je nach Jahreszeit unterschiedlich wichtig. Die folgende Übersicht erklärt die wichtigsten Bereiche in verständlicher Form.
Gemeinsames Handeln
Über das gesamte Jahr hinweg ist die Zusammenarbeit zwischen Imkern, Behörden und regionalen Initiativen entscheidend. Informationsaustausch, Schulungen und gemeinsame Überwachungsaktivitäten helfen, Nester frühzeitig zu entdecken und Maßnahmen zu koordinieren.
Strategische Planung
Auf lokaler und regionaler Ebene werden Strategien entwickelt, um Sichtungen zu erfassen, Nester zu melden und Einsätze zu planen. Diese strategischen Maßnahmen laufen ganzjährig und bilden die Grundlage für ein wirksames Vorgehen.
Nestentfernung
Von Frühjahr bis Herbst können aktive Nester der Asiatischen Hornisse entfernt werden – immer durch geschulte Fachkräfte und nach geltenden Vorschriften. Die Entfernung ist besonders wichtig, wenn Nester in der Nähe von Bienenständen oder Wohngebieten entdeckt werden.
Fangmaßnahmen
Je nach Jahreszeit kommen unterschiedliche Fangmethoden zum Einsatz:
- Fang von Königinnen im zeitigen Frühjahr, um neue Koloniegründungen zu reduzieren
- Fang von Geschlechtstieren im Spätsommer und Herbst, um die Ausbreitung zu begrenzen
Diese Maßnahmen unterstützen das Monitoring und helfen, die Population einzudämmen.
Schutz am Bienenstand
Im Sommer und Herbst, wenn der Jagddruck am höchsten ist, stehen die direkten Schutzmaßnahmen an den Völkern im Mittelpunkt:
- Sicherungsnetze erschweren Hornissen den Zugang zum Stand
- Fluglochsicherungen schützen die Beuten vor Eindringversuchen
- Futter- und Fluglochkontrollen helfen, Stress zu reduzieren und Räuberei zu vermeiden
Diese Maßnahmen werden je nach Beflugintensität angepasst.
Überwinterung
In den Wintermonaten ruht die Aktivität der Hornissen. Diese Zeit wird genutzt, um Daten auszuwerten, Strategien anzupassen und sich auf die kommende Saison vorzubereiten.
Integriertes Koloniemanagement
Ein moderner, ganzheitlicher Ansatz zum Schutz der Honigbienen
Das integrierte Koloniemanagement umfasst alle Maßnahmen, die notwendig sind, um Bienenvölker gesund, widerstandsfähig und stabil zu halten. Es verbindet praktische Imkerarbeit, technische Schutzmaßnahmen, Gesundheitskontrollen und strategische Planung. Dieser Ansatz wird immer wichtiger, da Honigbienen heute gleichzeitig mit Varroa, Krankheiten, Klimastress und neuen Räubern wie der Asiatischen Hornisse konfrontiert sind.
🔧 1. Mechanische und technische Schutzmaßnahmen
Zum Koloniemanagement gehören verschiedene Vorrichtungen, die den Bienenstock vor äußeren Einflüssen schützen:
- Königinnenabsperrgitter und Fluglochverkleinerungen erschweren das Eindringen von Hornissen und Wespen.
- Schutzkörbe und Netze können den direkten Zugang zum Flugloch verhindern.
- Fallen dienen im Monitoring und zur Reduktion von Königinnen oder Geschlechtstieren der Asiatischen Hornisse (je nach Jahreszeit).
Diese Maßnahmen sind rein mechanisch und beeinflussen das Verhalten der Bienen kaum, erhöhen aber die Sicherheit am Stand.
🔍 2. Regelmäßige Kontrollen im Bienenstock
Ein zentrales Element des Koloniemanagements ist die systematische Überwachung der Völker:
- Kontrolle von Brutbild, Volksstärke, Futtervorräten und Königinnenleistung
- Überprüfung auf Varroabefall, Krankheiten und Stressanzeichen
- Beobachtung des Fluglochs, um Räuberei oder Hornissenbeflug früh zu erkennen
Diese Kontrollen ermöglichen ein frühzeitiges Eingreifen, bevor Probleme eskalieren.
💪 3. Erhaltung starker und gesunder Bienenvölker
Starke Völker sind der beste Schutz gegen äußere Belastungen. Dazu gehören:
- Wabenhygiene und regelmäßiger Wabentausch
- Varroamanagement nach aktuellen Empfehlungen
- legestarke, vitale Königinnen
- Vermeidung von Schwärmen, da sie Völker schwächen und Räuber anziehen
- Sicherstellung einer ausreichenden Futterversorgung, besonders in Trachtlücken
Ein gesundes Volk kann Stress besser kompensieren und ist weniger anfällig für Räuberdruck.
🧭 4. Strategische Planung und Prävention
Ein integriertes Koloniemanagement endet nicht am Bienenstand. Es umfasst auch:
- Kontroll- und Einsatzpläne für den Umgang mit Vespa velutina
- Präventivmaßnahmen, z. B. frühzeitige Fluglochverkleinerung oder Monitoringfallen
- Schulungen und Fortbildungen für Imkerinnen und Imker
- rechtliche Vorgaben und Zusammenarbeit mit Behörden
- Bewertung der wirtschaftlichen Folgen für betroffene Regionen
Dieser strategische Rahmen sorgt dafür, dass Maßnahmen koordiniert und wirksam umgesetzt werden.
🤝 5. Effektivität, Agilität und Zusammenarbeit
Ein modernes Koloniemanagement lebt von:
- Innovation (z. B. neue Schutzsysteme, Monitoringtechniken)
- Agilität, um auf neue Situationen schnell reagieren zu können
- regionaler Zusammenarbeit zwischen Imkern, Vereinen, Behörden und Bürgern
- Informationsaustausch, um Sichtungen, Nestfunde und Erfahrungen zu teilen
Gerade bei invasiven Arten wie Vespa velutina ist gemeinsames Handeln entscheidend.
⭐ Warum dieser Ansatz so wichtig ist
Die Herausforderungen für Honigbienen haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Ein integriertes Koloniemanagement sorgt dafür, dass:
- Völker stabil bleiben
- Krankheiten früh erkannt werden
- Räuberdruck reduziert wird
- Verluste minimiert werden
- Imkerinnen und Imker handlungsfähig bleiben
Es ist damit ein zentraler Baustein für den Schutz der Bienen und die Sicherung der Bestäubungsleistung in unserer Region.