Jahresverlauf von Vespa Velutina
Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist eine noch relativ neue Art in unserer Region, die sich in den letzten Jahren zunehmend auch im Raum Erkrath etabliert hat. Für viele Menschen wirkt sie auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Wespe – doch ihr Verhalten, ihre Lebensweise und ihre Auswirkungen auf Bienen und Natur unterscheiden sich deutlich von den heimischen Arten.
Um Sichtungen richtig einordnen zu können, lohnt sich ein Blick auf ihren Jahresverlauf. Im Frühjahr erscheinen die überwinterten Jungköniginnen und beginnen mit dem Bau kleiner Gründungsnester, oft gut versteckt an Gebäuden oder in Schuppen. Ab dem Sommer verlagert sich das Volk in große Sekundärnester, die meist hoch oben in Baumkronen hängen und dann mehrere tausend Tiere beherbergen können. In dieser Zeit steigt auch die Aktivität vor Bienenständen und im urbanen Raum deutlich an.
Im Spätsommer und Herbst produziert jedes Nest zahlreiche Jungköniginnen, die einzeln überwintern und im nächsten Jahr neue Nester gründen können. Dieses Zusammenspiel aus Biologie, Jahresrhythmus und hoher Anpassungsfähigkeit erklärt, warum die Asiatische Hornisse für Natur, Imkerei und Kommunen eine besondere Herausforderung darstellt.
🌱 Frühling – Aufbauphase und erste Arbeiterinnen
Im Frühling beginnt der Jahreszyklus der Asiatischen Hornisse mit der Aktivität der überwinterten Jungköniginnen. Sobald die Temperaturen dauerhaft milder werden, verlassen sie ihre Winterquartiere und beginnen mit der Suche nach einem geeigneten Ort für ein Primärnest. Diese ersten Nester sind klein, oft nur faustgroß, und befinden sich häufig an geschützten Stellen wie Schuppen, Dachvorsprüngen oder in Hecken.
In dieser Phase übernimmt die Königin alle Aufgaben selbst: Nestbau, Brutpflege und Nahrungssuche. Die ersten Arbeiterinnen schlüpfen meist ab Mai. Mit ihrem Erscheinen beginnt die eigentliche Entwicklung des Volkes, denn die Königin kann sich nun vollständig auf die Eiablage konzentrieren. Die Aktivität ist im Frühling insgesamt noch gering, Sichtungen sind eher selten und meist auf einzelne Tiere beschränkt.

🌿 Sommer – Wachstum und zunehmende Aktivität
Der Sommer ist die Phase des schnellen Wachstums. Das Volk vergrößert sich kontinuierlich, und die Arbeiterinnen übernehmen alle Aufgaben im Nest und im Umfeld. In dieser Zeit wird häufig ein Sekundärnest gebaut, das deutlich größer ist als das Primärnest und oft in Bäumen, hohen Sträuchern oder Gebäuden zu finden ist. Diese Nester können beeindruckende Größen erreichen und mehrere tausend Individuen beherbergen.
Mit der steigenden Volksstärke nimmt auch die Aktivität im Umfeld zu. Die Arbeiterinnen sind auf Nahrungssuche, sammeln Insekten und Eiweißquellen für die Brut und besuchen Blüten zur Energieversorgung. Sichtungen im Sommer sind daher deutlich häufiger, besonders in der Nähe von Gärten, Obstbäumen oder Bienenständen. Das Verhalten bleibt jedoch meist ruhig und zielgerichtet.
🍂 Herbst – Höchste Aktivität und Bildung der Geschlechtstiere

Der Herbst ist die intensivste Phase im Jahresverlauf der Asiatischen Hornisse. Die Völker erreichen nun ihre maximale Größe, und die Zahl der Arbeiterinnen ist am höchsten. Gleichzeitig beginnt die Produktion von Geschlechtstieren: neuen Jungköniginnen und Männchen. Diese verlassen später das Nest, paaren sich und suchen Winterquartiere.
In dieser Zeit steigt der Nahrungsbedarf stark an, weshalb die Tiere häufiger an Bienenständen, Fallobst oder blühenden Pflanzen zu beobachten sind. Das typische „Schwebefliegen“ vor Bienenstöcken ist besonders im Spätsommer und Herbst ausgeprägt. Für Imker ist dies die kritischste Phase, da die Belastung für die Bienenvölker zunimmt.
Auch Sichtungsmeldungen häufen sich im Herbst, da die Tiere präsenter und aktiver sind und die Nester ihre volle Größe erreicht haben.
❄️ Winter – Zusammenbruch des Volkes und Neubeginn
Mit den ersten anhaltenden Kälteeinbrüchen bricht das Volk der Asiatischen Hornisse zusammen. Die Arbeiterinnen und die alte Königin sterben ab, und das Nest wird nicht wieder genutzt. Nur die begatteten Jungköniginnen überleben den Winter. Sie suchen geschützte Orte wie Holzstapel, Dachbalken, Baumhöhlen oder Laubschichten auf, um dort in Winterstarre zu gehen.
In dieser Phase gibt es keine Aktivität und somit auch keine Sichtungen. Der Zyklus beginnt erst im nächsten Frühjahr erneut, wenn die Jungköniginnen aus der Winterruhe erwachen und mit dem Bau eines neuen Primärnestes starten.