20.06.2026 - Ein Tag der weißen Punkt
Heute war einer dieser kleinen, besonderen Tage am Bienenstand – unscheinbar für Außenstehende, aber für mich ein wichtiger Schritt in der Entwicklung meiner beiden Ableger Chris Rea und Sade.
Ich habe heute beide jungen Königinnen gezeichnet. Jede trägt nun einen weißen Punkt auf dem Rückenschild, das Jahreskennzeichen für 2026. Es ist ein kurzer Moment, aber einer, der immer wieder Demut verlangt: Die Königinnen sind zart, schnell, sensibel – und doch das pulsierende Zentrum eines ganzen Volkes.
Das Zeichnen selbst verlief ruhig. Beide Königinnen haben sich erstaunlich gelassen gezeigt, fast so, als wüssten sie, dass dieser kleine Farbpunkt ihnen später das Leben erleichtert: leichter zu finden, besser zu beurteilen, sicherer zu begleiten.
Besonders schön war der Moment danach. Ich habe ein kleines Video aufgenommen, wie eine der beiden Königinnen nach dem Zeichnen den Käfig verlässt und ihren Weg zurück in die Wabengassen findet. Dieses vorsichtige Tasten, das kurze Innehalten, das Wiedererkennen des eigenen Volkes – es ist jedes Mal ein stiller, fast poetischer Augenblick.
Man spürt förmlich, wie das Volk sie wieder aufnimmt, wie die Arbeiterinnen sie begrüßen, wie der Rhythmus sich sofort wieder schließt.
Für mich sind solche Momente ein Kern des Imkerns: die Mischung aus Verantwortung, Nähe, Respekt und dieser leisen Freude, wenn alles gut geht.
Die Ableger entwickeln sich weiterhin stabil. Die Brutflächen wachsen, die Königinnen arbeiten zuverlässig, und mit dem weißen Punkt beginnt für beide ein neues Kapitel – sichtbar, nachvollziehbar und hoffnungsvoll.